Ach daß eine Zeit gewesen,
Da ich lebte ganz für mich!
Ich vernahm Dein sanftes Werben,
Doch mein trotzig Herz erklärte:
"Gar nichts Du - und alles ich!"
Doch du fandest mich, und ich schaute
Betend an dem Kreuze Dich,
Sah Dein wunderbares Lieben,
Und im Herzen klang es leise:
"Etwas Du - doch etwas ich!"
Aber Deines Geistes Walten
Zog mich näher hin zu sich;
Ich ward kleiner, Du wardst größer,
Und ich sprach mit Lieb' und Sehnen:
"Mehr, Herr, Du - und wen'ger ich!"
Himmelhoch die Berge ragen,
Endlos dehnt das Weltmeer sich, -
Aber Deine Lieb' ist größer,
Und sie hat mich überwältigt:
"Alles Du - und gar nichts ich!"
Aus einem Buch von Ruth Paxson
Schöner Gedankengang was unsere Unterwerfung unter Gott angeht. Auch wenn ich das "Alles Du, und gar nichts ich" nicht ganz unterstützen kann. Gott fordert einen Ja nicht auf sich selbst zu verlieren, sondern vielmehr dadurch das er in unserem Leben an erste Stelle tritt uns in seinem Blick ganz neu zu gewinnen. Das alles Du führt daher nicht zum "gar nichts Ich" sondern zum wunderbaren neuen Ich in der Gottessicht. Ziel ist nicht die Selbstaufgabe des Menschen sondern die Theosis, sprich die Vergottung des Menschen.
AntwortenLöschenSoweit ich das (auch im Kontext des Buches)verstanden habe, geht es an dieser Stelle nicht darum, den ganzen Menschen, mit Geist Selle & Leib zu verneinen. Es geht vielmehr um das "alte Ich", dass sich so gerne auf den eigenen inneren Thron setzt und mit Gott immer streiten will und ihm runterhauen will und das Eigene durchziehen will in Oposition zu Gott.
AntwortenLöschenDas "alles Du - und gar nichts ich!" bezeichnet daher vielmehr eben den Zustand dessen, dass Jesus in mir auf dem Thron sitzt und nicht mehr mein Ego (und das beständig), so dass eben genau die von dir erwähnte Theosis weitergeführt wird (wobei dieser Begriff auch Irreführed sein kann). Das neue Ich, das sich ganz nach Christus richtet was eben eine genaue Paralelisierung des "alten Ich's" mit dem "neuen Ich" mit sich bringt. Das alte sollen wir in uns für Tod halten und das neue für Gott und durch Gott lebendig. Da, wo wir am Ziel vorbeischießen, da gilt ganz einfach 1. Joh. 1,9.
Oder kurz gesagt, der Mensch bleibt zugleich Gerechter, als auch Sünder (simul justus et peccator). Die Frage ist, welche Seite du für tot hälst, da sie mit Christus gekreuzigt wurde. Und genau diese Haltung stellt "alles du und gar nichts ich!" dar.
Die einzige Frage, die ich eventuell noch für möglich halte, in einer anderen Deutung, ist, ob dieses Simul justus et peccator nicht viel mehr "Mehr, Herr, Du - und wen'ger ich!" darstellt und das "Alles DU - und gar nichts ich!" den Zustand in der Ewigkeit beschreibt.
Doch darber muss ich länger nachdenken ...